"Das Land Niedersachsen verfolgt das ehrgeizige Ziel, das im niedersächsischen Untergrund vorhandene geothermische Potenzial künftig umfassend für Wärme- und Stromversorgung zu nutzen", so der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Lutz Stratmann, anlässlich der Auftaktveranstaltung des neuen Forschungsverbundes "Geothermie und Hochleistungsbohrtechnik" (gebo) am 20.05.2009 bei Baker Hughes in Celle.

Trotz seiner eher moderaten Untergrundtemperaturen bringt Niedersachsen gute Voraussetzungen mit, um dieses Ziel zu erreichen: Es verfügt über ein beachtliches geothermisches Potenzial, die Kenntnisse über den geologischen Untergrund sind aufgrund der hier tätigen Erdöl- und Erdgasindustrie gut und die wissenschaftliche und industrielle Infrastruktur für Aufsuchung und Entwicklung des geologischen Untergrundes genießen eine anerkannt ausgezeichnete Reputation. Die Erschließung tiefen-geothermischer Energie ist bisher allerdings mit hohen Kosten und Risiken verbunden. Sie resultieren insbesondere aus der aufwändigen Herstellung der notwendigen Tiefbohrungen und der erforderlichen geologischen Wärmetauscher.
Ziel des Forschungsverbundes gebo ist die Erforschung neuer Konzepte und wissenschaftlicher Grundlagen zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit geothermischer Energiegewinnung aus tiefen geologischen Schichten. Mit der Fokussierung seiner Anstrengungen auf innovative Aspekte bei der Herstellung von Bohrungen und der Entwicklung untertägiger Wärmetauscher adressiert der Verbund genau die Bereiche eines Geothemieprojekts, in denen die Kosten (etwa 70% Anteil an den Gesamtinvestitionen) und die Risiken am größten sind. Der Forschungsverbund gebo vereint die traditionellen Stärken der beteiligten niedersächsischen Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in den Geowissenschaften, der Bohrtechnik, den Werkstoffwissenschaften und den Technischen Systemen. Über 40 Wissenschaftler und Ingenieure arbeiten im Verbund interdisziplinär zusammen, um neue Konzepte, Werkstoffe und Bauteile zu entwickeln und zu bewerten.
Die Bearbeitung des Vorhabens erfolgt in Abstimmung mit der kooperierenden Industrie. Während der Forschungsverbund gebo sich breit angelegten, teilweise extrem risikoreichen Fragestellungen im "High-End" Bereich der Forschung widmet, wird in der Industrie mit ungleich höherem Aufwand eine anwendungsbezogene Systementwicklung betrieben. Neben den Forschungsergebnissen mit Zielrichtung auf die Nutzbarmachung der im Wesentlichen petrothermalen Geothermie im niedersächsischen Bereich werden auch erhebliche gebo "spin-off" Effekte insbesondere aus den Themenschwerpunkten Werkstoffe und Techniksysteme für andere Industriesektoren erwartet.

